Lehmbau

Seit Jahrtausenden baut der Mensch, neben Naturstein und Holz, mit Lehm. In Ostanatolien wurden 10.000 Jahre alte Grundmauern aus Lehmsteinen entdeckt. Ab rund 5000 v.u.Z. ging man in Ägypten und Mesopotamien zum Lehmziegelbau mit rechteckigen Grundrissen über. Seine Eigenschaften und seine Verfügbarkeit machten Lehm zu einem unersetzlichen Baustoff. Mit Bau- und Rohstoffknappheit einerseits sowie dem Bedarf nach Wohnraum und industrieller Fertigung von Baustoffen andererseits erlebte der Lehmbau durch die Jahrhunderte eine Berg- und Talfahrt. Nach dem Zurückziehen der Lehmbau-DIN 1971 besinnt man sich seit Anfang 1980 in Deutschland wieder auf die Tradition des Lehmbaus. Eine große Bedeutung hat Lehm bei der Sanierung und Denkmalpflege sowie beim ökologischen Bauen. Das fünfstöckige und damit höchste Stampflehmgebäude Deutschlands von 1836 steht in Weilburg an der Lahn.

Wie der Dachverband-Lehm schreibt, kann nach dem Besuch eines Weiterbildungskurses zur `Fachkraft für Lehmbau` bei der Handwerkskammer eine Eintragung in die Handwerksrolle im Bereich Lehmbau erfolgen.

Lehmbaustoffe

Die Lehmindustrie kennt ungeformte, geformte, lose, verpackte, feuchte und trockene Lieferformen. Die Produkte eignen sich teilweise für tragende Wände.

  • Stampflehm (auch für tragende Wände geeignet)
  • Wellerlehm (auch für tragende Wände geeignet)
  • Strohlehm
  • Leichtlehm
  • Lehmschüttung
  • Lehmmörtel (auch für tragende Wände geeignet)
  • Lehmsteine (auch für tragende Wände geeignet)
  • Lehmplatten

Anwendungsbeispiele

  • Fußböden und Wände aus Stampflehm
  • Wände aus Wellerlehm
  • Wände aus Lehmplatten
  • Vorsatzschalen aus Leichtlehmsteinen
  • Lehmputz
  • Gewölbe aus Lehmsteinen

Vorteile & Eigenschaften von Lehm

  • Bei der Herstellung wird wenig Primärenergie benötigt.
  • Lehm ist als natürlicher Baustoff vollständig recycelbar.
  • Lehm im Fachwerkbau entzieht mit seiner Gleichgewichtsfeuchte von 4,5 % pflanzlichen und tierischen Schädlingen die Lebensgrundlage und schützt so das anliegende Holz.
  • Lehm quillt und schwindet mit dem Holz, so dass keine Risse oder Öffnungen entstehen.
  • Lehm nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie bei zu trockener Luft wieder ab. In Lehmbauten herrschen so eine gleichbleibende relative Luftfeuchte und ein angenehmes Raumklima.
  • Lehm ist diffusionsoffen: anders als bei modernen, dichten Wohngebäuden kann Wasserdampf dem natürlichen Dampfdruckgefälle folgen. Das verhindert Schimmelbildung.
  • Mit entsprechenden Zusätzen wie Spänen, Perliten oder Stroh erreicht Lehm die heute geforderte Wärmedämmqualität.


Strohballenbau

Seit 1900 ist das Bauen mit Strohballen in den USA verbreitet. Man unterscheidet beim Strohballenbau eine tragende und nichttragende Konstruktion. Während bei der nichttragenden lediglich die Gefache einer Holzständerwand mit Stroh ausgefüllt werden, werden bei der tragenden Konstruktion Dachlasten über die gänzlich aus Strohballen bestehende Wand abgetragen. Auf die fertige Wand muss ein Ringanker (Holzbox oder Lattung) gelegt werden. Für genaue Konstruktionsdetails sollte man sich vor dem Bau mit entsprechenden Fachleuten und -verbänden in Verbindung setzen.

Wichtig ist, dass die Strohballen trocken gehalten werden, um Schimmel vorzubeugen. Hier sind Baukonstruktive Maßnahmen wie z.B. große Dachüberstände sinnvoll. Durch seine Eigenschaft Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben ist Lehm ein idealer Verputz für Strohwände.

Wie der Fachverband Strohballenbau schreibt, hat eine lehmverputzte Strohwand nach der Beanspruchungsprüfung die Zulassung für die Feuerwiderstandsklasse F30/F90 bekommen. Eine hohe Ballendichte, ein lückenloser und rissfreier Verputz sowie die Anordnung von Insektenschutzgittern sorgen dafür, dass Insekten und Mäuse keinen Zugang zu der Strohballenwand bekommen. Um Schimmel vorzubeugen und dabei den ökologischen Aspekt nicht außer acht zu lassen, sollen keine chemischen Mittel eingesetzt werden. Eher ist dafür Sorge zu tragen, dass durch ausreichenden Feuchteschutz kein schimmelfreundliches Milieu entsteht.

Darauf ist bei der Beschaffung von Strohballen unbedingt achten: Baustrohballen dürfen nur eine bestimmte Feuchte beim Einbau haben und müssen mit bestimmtem Druck gepresst werden. Außerdem sind nicht alle Getreidesorten für den Strohballenbau geeignet.




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